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Drei Dozentinnen und Dozenten erhalten den Hans Mühlenhoff-Preis

Die Nominierten im Botanischen Garten. Foto: Universität Osnabrück

Welche Dozentinnen und Dozenten der Universität Osnabrück sind in den Augen ihrer Studierenden preiswürdig? Die Jury hat entschieden: Am 25. Juni 2026 ist erneut der Hans Mühlenhoff-Preis für gute akademische Lehre durch die Uni Osnabrück und die Hans Mühlenhoff-Stiftung feierlich vergeben worden. Eine Auszeichnung erhielten dabei Prof. Dr. Lilian Weber (Fachbereich Humanwissenschaften), Prof. Dr. Helena Olfert (Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft) sowie Noah Kahmen (Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften).

Der erste Preis des Hans Mühlenhoff-Preises für gute akademische Lehre ist mit 2.500 Euro dotiert, der zweite Preis mit 1.500 Euro und der dritte Preis mit 1.000 Euro.

„Lehre lebt sowohl von Kreativität und Ideenvielfalt als auch von einem lebendigen und respektvollen Austausch zwischen Dozierenden und Studierenden“, sagte Prof. Dr. Jochen Oltmer, Vizepräsident für Studium und Lehre, bei einer Feierstunde im Botanischen Garten der Uni. „Wer also könnte gelungene Lehre besser beurteilen als die Studierenden? Deshalb ist es seit Jahren bewährte Praxis, dass sie es sind, die unsere Lehrenden für diese Preise vorschlagen.“

23 Namen standen am Ende auf der Liste, über die eine studentische Jury gemeinsam mit der Ständigen AG Lehre der Uni Osnabrück entschied. Erstplatzierte wurde Prof. Dr. Lilian Weber, die seit August 2025 an der Uni Osnabrück die Professur „Cognitive Modeling“ innehat. „Aus unserer Sicht verkörpert sie viele jener Eigenschaften, die hervorragende akademische Lehre auszeichnen: wissenschaftliche Aktualität, didaktische Klarheit, die Förderung eigenständigen Denkens sowie eine außergewöhnliche Fähigkeit, Studierende für Forschung zu begeistern und aktiv in wissenschaftliche Prozesse einzubinden“, heißt es in der Begründung für die Nominierung durch die Studierenden. Als herausragendes Beispiel nennen die Studierenden den Aufbau eines Labors für transkranielle fokussierte Ultraschallforschung: „Dass Prof. Dr. Weber den Aufbau eines solchen Labors nicht ausschließlich als Forschungsprojekt versteht, sondern diesen aktiv mit ihrer Lehre verbindet, zeigt ihren besonderen Anspruch an akademische Bildung.“

Der zweite Preis ging an Prof. Dr. Helena Olfert, seit 2024 Inhaberin der Professur für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und sprachliche Bildung an der Uni Osnabrück. Neben einer klaren und durchdachten Strukturierung der Lehrveranstaltungen lobten die Studierenden, dass Lehrinhalte stets mit aktuellen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen, insbesondere im Bereich Migration, Mehrsprachigkeit und Bildung verknüpft würden. „Besonders hervorzuheben ist das Projektseminar Sprachlernassistenz Osnabrück, in dem Studierende aktiv DaZ-Unterricht an Schulen gestalten und dabei von Frau Prof. Dr. Olfert intensiv begleitet werden“, so die Studierenden.

Drittplatzierter wurde in diesem Jahr Noah Kahmen, Lehrbeauftragter am Institut für Geographie. Insbesondere seine Seminare in der Geographiedidaktik überzeugten die Studierenden. Als Beispiel nannten sie unter anderem das Seminar „Game-Based Learning im Geographieunterricht“, in dem die Bedeutung von Spielen im Unterricht analysiert und eigene Lernspiele entwickelt wurden. „Generell merkt man Herrn Kahmen die Begeisterung für sein Fach auch in seinen Seminaren an“, so die Studierenden.

Neben den Preisträgerinnen und Preisträgern waren nominiert: Prof. Dr. Martin Belz, Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften; Stewart Campbell, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft; Kim Diestelhorst, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften; Prof. Dr. Valeriya Dinger, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften; Prof. Dr. Sophie Ellsäßer, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft; Elisa Orta Galindo, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft; Prof. Dr. Thomas Gaube, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften; Mira Elham Hazzaa, Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften; Prof. Dr. Olav Krämer, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft; Dr. Janina Krause, Fachbereich Humanwissenschaften; Jennifer Molitor, Fachbereich Humanwissenschaften; Prof. Dr. Rainer Mühlhoff, Fachbereich Humanwissenschaften; Prof. Dr. Jan Oster, Fachbereich Rechtswissenschaften; Dr. Jan Pollex, Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften; Zoe Rehme, Fachbereich Humanwissenschaften; Dr. Lena Schmeiduch, Fachbereich Humanwissenschaften; Prof. Dr. Steffie Schmidt, Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften; Prof. Dr. Thomas Staufenbiel, Fachbereich Humanwissenschaften; Dr. Jessica Wißmann, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft; Alicia Wittwer, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.

Preisträgerin Hannah Hirsch

Hannah Hirsch Preisträgerin auf Vorschlag von Prof. Dr. Frank Hilker

Wenn die Populationsgröße bestimmter Tier- oder Pflanzenarten zu gering ist,
dann kann es zu sogenannten »Allee-Effekten« kommen: Das Aussterberisiko
steigt, da es beispielsweise schwieriger ist, Paarungspartner zu finden oder sich
gemeinsam vor Fressfeinden zu verteidigen. Wie Allee-Effekte durch Ausbeutung
beschleunigt, durch ein ökologisch orientiertes Verhalten jedoch auch abgemildert
werden können, hat Hannah Hirsch von der Universität Osnabrück in einem
mathematischen Modell untersucht. Hirsch, die 1999 in Leverkusen geboren
wurde, absolvierte zunächst ihren Bachelor in Mathematik in Göttingen, ehe sie
2023 für ihren Master nach Osnabrück wechselte. »Ich habe während meines
Studiums den Wunsch entwickelt, meine Begeisterung für Mathematik mit
Anwendungsbezügen zur Natur zu verbinden«, sagt die Wissenschaftlerin. An
ihren Master of Science mit dem Schwerpunkt Umweltmodellierung schloss sie
daher noch eine Promotion im Fachgebiet Angewandte Systemwissenschaft an.
»Aktuell untersuche ich die Verbreitung von Pflanzenkrankheiten unter besonderer
Berücksichtigung von Koinfektion, also das gleichzeitige Vorhandensein von zwei
oder mehr verschiedenen Krankheitserregern«, sagt die 26-Jährige. Auch nach ihrer
Promotion würde sie gerne im Bereich Umweltmodellierung arbeiten.

Die Auszeichnung erhielt Hannah Hirsch für ihre Masterarbeit »The Coupled Dynamics of Harvesting Behaviour and Resource Growth with Allee Effect: Mathematical Modelling of a Social-Ecological System« im Studiengang Umweltsysteme und Ressourcenmanagement (Master auf Science).

Preisträger Dr. Alexander Antonov

Dr. Alexander Antonov
Preisträger auf Vorschlag von Prof. Dr. Philipp Maaß

Alexander Antonov ist in seiner Dissertation „Brownian partical transport in periodic structures“ das gelungen, wovon fast jeder oder jede in der Wissenschaft träumt: etwas Neues zu entdecken. Für diese Leistung wurde seine Arbeit mit dem Prädikat summa cum laude ausgezeichnet. Antonov konnte ein bisher unbekanntes Phänomen bei der Bewegung kleinster Teilchen zunächst theoretisch bestimmen: Er zeigte, dass sich Teilchen beim Transport durch enge Kanäle – dem sogenannten Single-File-Transport – zu Clustern zusammenschließen. Diese Cluster bewegen sich auch dann, wenn normalerweise kein Teilchentransport stattfindet. Durch detaillierte und umfangreiche Untersuchungen gelang es ihm Eigenschaften dieser Wellen aus Teilchenclustern, den sogenannten Solitonen, wie Geschwindigkeit oder Größe zu berechnen. In Kooperation mit einer Gruppe von Forscher*innen der Universität Barcelona konnten Antonovs theoretische Vorhersagen auch experimentell nachgewiesen werden. Die Ergebnisse seiner Arbeit liefern einen bedeutsamen Erkenntnisgewinn in der Grundlagenforschung und vertiefen das Verständnis von Transsport-Prozessen in verschiedenen Systemen. Sie wurden in vier renommierten, internationalen Fachzeitschriften mit ihm als Erstautor publiziert und sind Anstoß für weitere Forschungen internationaler Arbeitsgruppen. Antonov, der sein Bachelor- und Masterstudium an der Universität Moskau absolviert hat, strebt eine wissenschaftliche Karriere als Postdoktorand an.

Dr. Antonov gemeinsam mit Dr. Grüner

Herr Dr. Stefan Grüner kommentiert diese herausragende Leistung von Herrn Dr. Antonov mit folgenden Worten:
„Ich möchte betonen, dass Dr. Antonov nicht nur durch sein Fachwissen und Engagement überzeugt hat, sondern auch durch seine persönlichen Qualitäten. Sein Doktorvater äußerte sich voll des Lobes über ihn, was zeigt, dass die Mühlenhoff-Stiftung […] einen bedeutenden Beitrag geleistet hat.
Ich bin fest davon überzeugt, dass solche Erfolgsgeschichten uns ermutigen sollten, unsere Bemühungen fortzusetzen und weiterhin talentierte Individuen zu fördern.“

Preisträgerin Lena Herrmann

Die Hans Mühlenhoff Stiftung hat Frau Lena Herrmann für ihre herausragende Masterarbeit „Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – Rechtliche Herausforderungen und Umsetzung in die Unternehmenspraxis“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung würdigt ihre exzellente wissenschaftliche Arbeit und ihre Expertise im Bereich des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, welches höchste Relevanz für deutsche Unternehmen hat.

Die Arbeit wurde beim Tectum Verlag veröffentlicht und enthält ein Vorwort von Prof. Dr. Patric Bachert (Baden-Baden, Tectum,  2023, ISBN 978-3-8288-4917-4).

Frau Herrmann ist über die Industrie- und Handelskammer zu Köln kontaktierbar, bei der sie als Rechtsreferentin tätig ist.

Von links: Prof. Dr. Patric Bachert, Professor der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Andrea Braun von Reinersdorff, Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Lena Herrmann, Preisträgerin, Fritz Graf, Vorsitzender Hans Mühlenhoff Stiftung

Preisträger Dr. Marcel Holthusen

Dr. Marcel Holthusen
Preisträger auf Vorschlag von Prof. Dr. Marcus Bieder

Dieser Text bietet kaum ausreichend Platz um die Leistungen von Marcel Holthusen vollständig zu würdigen: Förderpreis für die Bachelorarbeit, summa cum laude und Förderpreis für die Promotion, unter den Landesbesten in beiden juristischen Staatsprüfungen und erfolgreiche Publikationen noch während des Studiums. Mit seiner Dissertation zum Thema Prognosen in vertraglichen Dauerschuldverhältnissen ist ihm jetzt ein „Ganz großer Wurf“ gelungen, wie es im Gutachten zur Arbeit heißt. „Prognosen spielen im Recht häufig eine Rolle, z.B. wenn in der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses gefragt wird, ob Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen in Zukunft noch vertrauensvoll zusammenarbeiten können“, so Holthusen. Für solche Prognosen fehlen allerdings häufig prinzipielle und übergreifende Regeln – wie hoch muss die Wahrscheinlichkeit des vorherzusagenden Ereignisses sein? Auf welchen Tatsachen soll die Prognose beruhen? Und auf welchen Zeitpunkt kommt es für die Beurteilung der Zukunft an? Für diese und andere Fragen hat Holthusen wertvollste Grundlagenarbeit geleistet und laut Gutachten eine „habilitationsgleiche Leistung“ erbracht. Seit Anfang März 2023 ist er als Richter beim Arbeitsgericht Hannover tätig und lehrt zusätzlich an der Uni Osnabrück.

Hans Mühlenhoff-Preis 2022 geht an Ethik-Professor Rainer Mühlhoff

Mit dem Hans-Mühlenhoff-Preis werden jedes Jahr Dozenten der Uni Osnabrück für gute akademische Lehre ausgezeichnet. Dieses Mal entschied sich die studentische Jury für Rainer Mühlhoff – Deutschlands ersten Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz.

Mühlhoff hat diese Professur seit Juli 2021 inne. Er bezeichnet die Auszeichnung im Gespräch mit unserer Redaktion als „große Ehre“: „Die Studierenden haben gelobt, dass ich mit ihnen auf Augenhöhe agiere. Das hat mich am meisten gefreut.“ Etwa 190 Anmeldungen gab es für Mühlhoffs Vorlesung: „Das zeigt, dass Ethik der Künstlichen Intelligenz als sehr relevantes Thema angesehen wird.“

Schäfer ist nach Uni-Angaben seit Mai 2019 im Forschungszentrum Institut für Migration und Interkulturelle Studien (IMIS) tätig und halte jedes Semester eine Veranstaltung ab, obwohl er dazu nicht verpflichtet sei – dieses Engagement würdigte die Jury mit der Preisvergabe.

Quelle: NOZ

Preisträgerin Eva Wickerath

Eva Wickerath
Preisträgerin auf Vorschlag von Prof. Dr. Mary-Rose McGuire

Viel ist gerade während der Covid19-Pandemie über die gerechte Vergütung künstlerischer Leistungen gesprochen worden. Der arme Poet ist heute der unbekannte Newcomer, der rechtlich vor Ausnutzung durch die großen Medienunternehmen geschützt werden soll. Juristisch wird diese Machtungleichheit als Paritätsstörung bezeichnet und stellt gerade im digitalen Zeitalter ein komplexes Problem dar, mit dem sich Eva Wickerath in ihrer Dissertation auseinandersetzt.

Denn die Gruppe der Kulturschaffenden ist ungemein divers, sodass gesetzliche Schutzklauseln den einen nützen, die anderen jedoch in ihren Vertragsfreiheiten stark einschränken und so ökonomisch belasten können. Dabei hat gerade das deutsche Urhebervertragsrecht im internationalen Vergleich einige Alleinstellungsmerkmale: So kann ein Urheberrecht in Deutschland etwa kategorisch nicht übertragen oder abgetreten werden. Diese Besonderheiten haben laut Wickerath zwar Vorbildwirkung entfaltet, treten aber in Konflikt etwa mit dem liberalen Ansatz des amerikanischen copyright contract law. Inwiefern das Urheberschutzkonzept im deutschen Privatrecht daher sinnvoll reformiert werden könnte, untersucht Wickerath in ihrer mit der Bestnote summa cum laude bewerteten Doktorarbeit.